In Vietnam sind motorisierte Zweiräder das Transportmittel Nummer eins. Vor meiner Reise nach Vietnam habe ich viele Berichte gehört und gelesen von Backpackern, die sich einfach ein Motorrad gekauft oder gemietet haben, und damit durch das Land gefahren sind. Ich saß davor noch nie selber auf einem Motorrad, und wäre auch nie auf die Idee gekommen, allein so eine Tour zu machen. Zum Glück hatte ich mit Felix einen erfahrenen Motorradfahrer als Mitreisenden, und zusammen haben wir uns dann nach einer Woche Aufenthalt in Hoi An zwei Honda Wins gekauft und sind damit in einer Woche etwas mehr als 1000km bis nach Hanoi gefahren.
Wo kann ich ein Motorrad kaufen?
Motorräder und Roller gibt es an fast jeder Straßenecke in größeren Städten, und auch in fast jedem Dorf gibt es eine Werkstatt. In Hostels findet man oft Verkaufs- und Suchanzeigen, und an der Rezeption bekommt man auch immer Auskunft, wo sich der nächste Händler befindet. In Hanoi und Ho Chi Minh gibt es große Shops, die sich auf den Verkauf von gewarteten Motorrädern spezialisiert haben, oft bekommt man dazu auch eine kurze Fahrstunde und eine Rückkaufgarantie. In diesen Shops sind die Preise allerdings meistens etwas höher, und dementsprechend bekommt man etwas weniger Geld, wenn man sein eigenes Motorrad am Ende der Riese wieder verkaufen will. Auch auf den einschlägigen sozialen Netzwerken gibt es viele Gruppen, wo Motorräder gehandelt werden, denn auch unter Touristen herrscht reger Handel.
Was muss ich beachten?
In Südostasien benötigt man keinen Führerschein, um Motorräder und Roller zu fahren. Allerdings sollte man sich trotzdem gut überlegen, ob man wirklich mit dem Motorrad reisen will, denn auch wenn man einen Führerschein für das Auto besitzt, darf man den Verkehr und die Straßenverhältnisse in Vietnam nicht unterschätzen. Für Europäer scheint der „Verkehr“ in den großen Städten auf den ersten Blick wie Chaos, und was bei uns ein Feldweg wäre, ist in Vietnam manchmal eine Hauptstraße. Auch mit Gepäck und eventuell einem Mitfahrer wird es noch einmal deutlich schwerer, vor allem für Fahranfänger. Dennoch ist es auf jedenfall möglich, nach den ersten Testfahrten ohne Gepäck und spätestens nach den ersten Etappen sicher und ohne große Probleme fahren zu können.
Das wichtigste beim Kauf eines Motorrads ist natürlich die Probefahrt. Funktionieren die Bremsen, springt das Bike gut an? Läuft der Motor rund, funktioniert Vorder- und Rücklicht? Dabei ist es natürlich am besten, wenn man sich etwas mit Motorrädern auskennt. Auf unserer Vietnamreise bin ich das erste mal auf einem Motorrad gesessen, und ohne Felix (der sich sehr gut mit dem Thema auskennt) hätte ich den Roadtrip wahrscheinlich auch nie gemacht.
Genauso wichtig ist es, beim Kauf darauf zu achten, dass man vom Verkäufer eine sogenannte Blue Card bekommt. Diese Karte ist sozusagen die Besitzurkunde des Motorrads. Die Blue Card braucht man vor allem dann, wenn man über die Grenze nach Laos oder Kambodscha fahren will. Nur mit einer zum Motorrad passenden Blue Card ist es möglich, mit dem Motorrad durch alle drei Länder zu reisen. Nicht wundern, der Name auf der Blue Card ist der des ersten Besitzers und wird auch nicht geändert. In Vietnam herrscht aßerdem seit 2007 Helmpflicht, woran man sich auch unbedingt halten sollte (wobei das eigentlich selbstverständlich sein sollte…).
Eines der gängigsten Modelle ist die Honda Win. Auf unserer Reise hatten wir zwei Motorräder, die am Tag, bevor wir losgefahren sind vom Verkäufer zusammengeschraubt wurden. Eine Honda Win wird meistens für ungefähr 200-250€ gehandelt. Außerdem bekommt man so gut wie überall günstige Ersatzteile, falls mal etwas kaputt geht, womit man auf jedenfall rechnen sollte.
Wo sind die besten Straßen?
Das Straßennetz ist in Vietnam sehr gut ausgebaut. Entlang der Küstenstädte führt der Highway QL1A, meistens zweispurig, guter Asphalt und abgesehen von den Gegenden um die Städte auch ohne viel Verkehr. Der Highway ist allerdings eher langweilig, man kommt dafür sehr schnell voran.
Im Landesinneren entlang der Grenze zu Laos zieht sich der ehemalige Ho Chi Minh Trail durch die Berge. Heute ist diese Straße als QL14 ausgeschrieben und ist auf jedenfall die schönere der zwei Hauptrouten. Meistens ist der QL14 vergleichbar mit einer Landstraße in Deutschland, sobald es durch die Berge geht wird die Straße schmaler und besteht nur noch aus Asphaltplatten. Auf dieser Route sollte man auch immer darauf achten eine extra Flasche Benzin dabei zu haben, da es meist nur in größeren Dörfern und Städten Tankstellen gibt.


















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